{"id":1183,"date":"2021-11-23T19:48:00","date_gmt":"2021-11-23T18:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/mjott.de\/blog\/?p=1183"},"modified":"2023-09-03T15:22:14","modified_gmt":"2023-09-03T13:22:14","slug":"rueckblick-auf-darktable-3-0-bis-3-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mjott.de\/blog\/1183-rueckblick-auf-darktable-3-0-bis-3-4\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf darktable 3.0 bis 3.4"},"content":{"rendered":"\n<p>Aktuell ist zur Zeit darktable 3.6.1 und Version 3.8 steht schon in den Startl\u00f6chern. Es ist also h\u00f6chste Zeit meinen R\u00fcckstand gegen\u00fcber dem Entwicklerteam in dieser Artikelserie zu verringern. Dieser Artikel soll die Neuerungen von darktable 3.0 bis 3.4 betrachten, mit der zur Zeit aktuellen Version befasse ich mich dann an anderer Stelle.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neuer Workflow<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit dem Einzug von &#8220;Filmisch&#8221; in Version 2.6 wurde ein grundlegender Umbau der Berechnungs-Pipeline von darktable gestartet. Was dabei mit einem einzelnen Modul begann wurde in den folgenden Versionen schrittweise ausgedehnt auf eine ganze Reihe existierender und neuer Module mit wesentlicher Bedeutung f\u00fcr die Bildbearbeitung. Dahinter steht nicht weniger als ein Paradigmenwechsel: Viele in der Bildbearbeitung genutzten Farbr\u00e4ume basieren auf psychophysikalischen Modellen welche die Wahrnehmung von Farbe durch das menschlichen Auge und Gehirn beschreiben. Ihr Zweck ist die Darstellung von Farben f\u00fcr die Anzeige (<em>display-referred<\/em>). Diese sind nur innerhalb gewisser Grenzen f\u00fcr die Bildbearbeitung geeignet und k\u00f6nnen insbesondere bei der Arbeit an Bildmaterial mit hohem Dynamikumfang zu Farbfehlern und anderen Artefakten f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Workflow der in darktable mit Version 3.0 einzog und mit darktable 3.2 zum neuen Standard wurde verwendet in weiten Teilen der Pipeline einen Aufnahme-bezogenen Farbraum (<em>scene-referred<\/em>). Dieser orientiert sich nicht an der menschlichen Wahrnehmung sondern an den physikalischen Gegebenheiten der betrachteten Szenerie: Die Lichtintensit\u00e4t wird linear in diesem Farbraum abgebildet, im Gegensatz zum menschlichen Auge bei dem der Zusammenhang zwischen Intensit\u00e4t und Wahrnehmung ungef\u00e4hr logarithmisch ist. Diese Herangehensweise erlaubt physikalisch korrekte Anpassungen von Belichtung, Kontrasten und Farbe \u00fcber einen weiten Dynamikumfang ohne dabei verf\u00e4rbte oder \u00fcbers\u00e4ttigte Schatten und Lichter zu riskieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Modul &#8220;Filmisch&#8221;, welches mit darktable 3.0 durch &#8220;Filmisch RGB&#8221; abgel\u00f6st wird, steht dabei im Mittelpunkt des neuen Workflows. Es reduziert den hohen Dynamikumfang der durch den Kamerasensor aufgenommenen Szene auf ein darstellbares Ma\u00df (<em>tonemapping<\/em>). Mit darktable 3.0 und 3.2 wurden dabei Verbesserungen an der Benutzerschnittstelle und den zugrundeliegenden Berechnungsmethoden vorgenommen um den Umgang mit Farbe und insbesondere die S\u00e4ttingung in Schatten und Lichtern besser zu beherrschen. Mit Version 3.2 wurden au\u00dferdem M\u00f6glichkeiten erg\u00e4nzt Bildinformationen in (fast) ausgebrannten Spitzlichtern zu rekonstruieren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Filmisch&#8221; wird durch eine Reihe weiterer Module erg\u00e4nzt die Anpassungen nun im &#8220;richtigen&#8221; Farbraum vornehmen. Dazu z\u00e4hlt auch das Werkzeug f\u00fcr Tonwertkurve (&#8220;RGB-Kurve&#8221;). Das Modul Wei\u00dfabgleich und der Kanalmixer werden im neuen Workflow abgel\u00f6st durch &#8220;Farbkalibrierung&#8221;. Angepasst an den neuen Farbraum gibt es ferner zus\u00e4tzlicher Modi zur \u00dcberblendung von Ein- und Ausgabe der Module um eine Beschneidung der darstellbare Farbinformation zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neue und verbesserte Funktionen<\/h2>\n\n\n\n<p>Neu mit darktable 3.0 eingef\u00fchrt und mit Version 3.4 verbessert wurde der &#8220;Tonwert-Equalizer&#8221;, ein Werkzeug welches gezielte Anpassungen an der Helligkeit bestimmter Tonwertbereiche im Bild erlaubt. Die Bearbeitung erfolgt dabei lokal in ausgew\u00e4hlten Bereichen, aufgrund der Funktionsweise des Tonwert-Equalizer werden h\u00e4ssliche Kontrastumkehrungen oder -kanten (<em>Halos<\/em>) vermieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit darktable 3.2 zieht der &#8220;Negadoctor&#8221; ein, ein Modul zur Umwandlung eingescannter oder abfotografierter Negative in die Positivdarstellung. Zu den wichtigsten Funktionen d\u00fcrfte sicher die M\u00f6glichkeit z\u00e4hlen, die bei Film \u00fcbliche Farbmaske herauszurechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neuerungen gab es auch bei den M\u00f6glichkeiten zur Maskierung bei der \u00dcberblendung von des Ein- und Ausgabebildes eines Moduls. Mit den bei darktable 3.0 eingef\u00fchrten Rastermasken kann die Maske die f\u00fcr ein Modul genutzt wurde an sp\u00e4terer Stelle exakt so erneut angewendet werden, etwa um gleicherma\u00dfen Helligkeit und Farben in einem bestimmten Bildbereich mit unterschiedlichen Modulen zu beeinflussen. Zuvor war das bei der Verwendung von parametrischen Masken nur schwer oder gar nicht m\u00f6glich, da diese jeweils ausgehend vom Ein- oder Ausgangsbild des jeweiligen Moduls berechnet wurden und die Bildinformation an sp\u00e4terer Stelle in der Pipeline somit nicht gleich ist. F\u00fcr gezeichnete Masken schafft darktable 3.2 zudem die M\u00f6glichkeit den \u00dcbergang zwischen keiner und voller Deckung nichtlinear (schw\u00e4cherer oder st\u00e4rkerer Abfall) zu gestalten, gesteuert \u00fcber Shift+Mausrad.<\/p>\n\n\n\n<p>Verbessert wurde in darktable 3.0. au\u00dferdem die profilbasierte Entrauschung, sie bietet nun insbesondere direkt die M\u00f6glichkeit Farb- und Luminanzrauschen in einer Modulinstanz getrennt zu beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Flexible Pipeline<\/h2>\n\n\n\n<p>Der neue Workflow wird komplementiert durch eine gr\u00f6\u00dfere technische \u00c4nderung die mit darktable 3.0 eingef\u00fchrt wurde. Zuvor war die Struktur der Verarbeitungs-Pipeline fest vorgegeben. Mit Version 3.0 wurde diese programmatische Festlegung aufgel\u00f6st, die Reihenfolge in der Module das Bild verarbeiten ist seitdem frei konfigurierbar. In den meisten F\u00e4llen tut man gut daran die voreingestellte Reihenfolge beizubehalten, aber in Einzelf\u00e4llen kann so kontrolliert werden an welcher Stelle auf dem Weg vom RAW zum fertigen Bild man Korrekturen vornimmt. Insbesondere k\u00f6nnen damit Module je nach gew\u00e4hltem Workflow an die geeignete Stelle in der Pipeline gesetzt werden. Mit Version 3.0 kommt eine neue Standard-Reihenfolge, eigene Pipeline-Konfigurationen k\u00f6nnen als Preset abgespeichert und aufgerufen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Benutzeroberfl\u00e4che<\/h2>\n\n\n\n<p>Viel Arbeit floss in den vergangenen Ver\u00f6ffentlichungen auch in die \u00dcberarbeitung der Benutzeroberfl\u00e4che. Neben technischen \u00c4nderungen (die Oberfl\u00e4che wird jetzt vollst\u00e4ndig \u00fcber CSS gestaltet und unterst\u00fctzt damit selbst konfigurierbare Themes) gibt es seit Version 3.0 mehr M\u00f6glichkeiten auf Funktionen mit Tastenk\u00fcrzeln zuzugreifen. <\/p>\n\n\n\n<p>Massive Verbesserungen und Neuerungen ab es vor allem am Leuchttisch. Mit darktable 3.0 kam eine neue Ansicht zur Bildauswahl (<em>culling mode<\/em>) hinzu, ebenso wie die M\u00f6glichkeit \u00c4nderungen r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen (<em>Undo\/Redo<\/em>). Mit darktable 3.0 und 3.2 wurde die Tagging-Funktionalit\u00e4t komplett \u00fcberarbeitet. Die Performanz der Leuchttisch-Ansicht wurde ebenfalls signifikant verbessert, einen entsprechend leistungsf\u00e4higen Rechner vorausgesetzt soll damit auch auf 8K-Bildschirmen ein fl\u00fcssiges Arbeiten m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In die digitale Dunkelkammer wiederum zog mit Version 3.0 die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die parallele Bildvorschau auf einem zweiten Monitor ein. Seit darktable 3.4 gibt es zudem eine neue Clipping-Anzeige die mehr M\u00f6glichkeiten bietet \u00fcber- und unterbelichtete Bildbereiche oder Kan\u00e4le zu identifizieren als die bisherige \u00dcberbelichtungs-Anzeige. Schlie\u00dflich ist erlaubt Version 3.4 eine freie Kategorisierung der verschiedenen Module entsprechend der eigenen Herangehensweise, die fr\u00fcher fest vorgegebenen Kategorien sind Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sonstiges<\/h2>\n\n\n\n<p>Generell wurde in allen Ver\u00f6ffentlichungen viel Augenmerk darauf gelegt die Performanz von darktable weiter zu verbessern. Wesentliche Optimierungen zielten etwas darauf ab, die Anzahl und den Umfang der erforderlichen Neuberechnungen durch die Pipeline zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem wurde mit Version 3.4 die sehr umfangreiche Dokumentation \u00fcberarbeitet und auf eine neue technische Grundlage gestellt. F\u00fcr darktable 3.4 existieren alte und neue Dokumentation nebeneinander bis die alte Variante mit mit Version 3.6 ganz abgel\u00f6st wird. Um diesen Prozess zu erleichtern wurde die Betreuung der Dokumentation in ein eigenst\u00e4ndiges Projekt abgespalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell ist zur Zeit darktable 3.6.1 und Version 3.8 steht schon in den Startl\u00f6chern. Es ist also h\u00f6chste Zeit meinen R\u00fcckstand gegen\u00fcber dem Entwicklerteam in dieser Artikelserie zu verringern. Dieser Artikel soll die Neuerungen von darktable 3.0 bis 3.4 betrachten, mit der zur Zeit aktuellen Version befasse ich mich dann an anderer Stelle. Neuer Workflow &#8230; <a title=\"R\u00fcckblick auf darktable 3.0 bis 3.4\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/mjott.de\/blog\/1183-rueckblick-auf-darktable-3-0-bis-3-4\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber R\u00fcckblick auf darktable 3.0 bis 3.4\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[14,10,1],"tags":[12,17],"class_list":["post-1183","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-digitales","category-fotografie","category-sonstiges","tag-darktable","tag-linux"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1183"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1225,"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183\/revisions\/1225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mjott.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}